Vor zwei Wochen zeigte Kingston auf der CES in Las Vegas erstmals PCI-Express-SSDs. Bis diese in den Handel kommen werden sicher noch etliche Wochen vergehen. Aus diesem Grund wollen wir unseren Blick auf eines der aktuell erhältlichen SSD-Produkte aus der HyperX-Familie werfen. Mit der HyperX 3K und der SSDNow V300 hat der Hersteller seit geraumer Zeit zwei Kassenschlager in Angebot, welche durch ein noch günstigeres Modell, der HyperX Fury ergänzt werden. Wie sich der Budget-Ableger im Praxistest geschlagen hat, klären wir im nachfolgenden Testbericht.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Kingston.
Lieferumfang
Rein von der preislichen Ausrichtung zielt die Fury direkt auf die MX100 von Crucial ab, welche als der Preis-Leistungshit des letzten Jahres durchging und die Krone bis heute noch halten konnte. Dem Budget-Gedanken findet man bei der Kingston im Übrigen auch bei der Verpackung wieder, denn eine ungeliebte Blister-Verpackung ziert das Äußere der SSD. Heranzukommen ist da nur mit einer Schere oder scharfen Messer. Neben der SSD gibt es nur einen Halterahmen und einen Kingston-Sticker, das war es dann auch schon mit dem Lieferumfang.
Äußerlichkeiten
Wo man beim Lieferumfang federn lässt, so wurde beim Gehäuse wieder aufgeholt. Jenes überzeugt durch sehr hohe Wertigkeit und einer gewissen Massivität die so nur bei wenigen SSD`s zu sehen war bzw. ist. Massiv wirkendes Aluminium-Blech schützt die verbaute Elektronik. Unter der Haube sitzt der allseits bekannte SandForce SF2281 Controller. Bei den verbauten Speicherchips setzt man auf 20nm ONFI3-NAND. Beim Betrachten des TBW Wert (Total Bytes Written) von 641TB muss man sich erst einmal die Augen reiben. Vergleicht man diesen mit den Angaben von OCZ (Arc 100 - 21,9TB), Crucial (MX100 – 72TB) oder Samsung (850 Pro – 150TB) ist das schon eine deutliche Ansage hinsichtlich möglicher Kopier- und Schreibleistung im Laufe der kommenden Jahre.
Leider hätten wir gern an dieser Stelle Bilder vom Innenaufbau gezeigt, aber auf die Gefahr hin das Gehäuse oder das verbaute PCB zu beschädigen, wollten wir nicht zwanghaft am Chassis herumwerkeln. Allen wichtigen Fakten wurden aber trotzdem genannt.
Technische Daten
| Kingston HyperX Fury - 240GB | |
| Modellbezeichnung | SHFS37A/240G |
| Schnittstelle | SATA 3.0 (6 Gbit/s) |
| weitere verfügbare Kapazitäten | 120 / 240 GB |
| Leistungsangaben | |
| Leseleistung | 470 MB/s |
| Schreibleistung | 220 MB/s |
| IOPS 4K lesen / schreiben | 84.000 / 41.000 |
| Spezifikationen | |
| NAND-Flash | 20nm ONFI3-NAND (MLC, Micron) |
| Cache | Micron 2x 256 MB (DDR3-1600) |
| Controller | SandForce SF2281 |
| Garantiezeit | 3 Jahre eingeschränkte Garantie |
| Leistungsaufnahme | 2,7 W (Betrieb) 0,31 W (Leerlauf) |
| Abmessungen und Gewicht | |
| Breite x Höhe x Länge (mm) | 69,8 x 7 x 100,7 |
| Gewicht | 59 g |
Unser Datenträger Testsystem für die Messungen
Auf der Basis eines aktuellen Testsystems mit möglichst hohem Praxisbezug stellen wir die Messergebnisse der SanDisk Extreme Pro SSD vor. Wir verwenden dabei bewusst das Ende Oktober 2012 erschienene Microsoft Windows 8 mit Update auf 8.1 als Betriebssystem, da es zukünftig auf den meisten PC-Systemen zum Einsatz kommen wird. Die ausführliche Konfiguration kann im Artikel zum Datenträger Testsystem nachgelesen werden.
Intel Z77-Datenträger-Testsystem | ||
| Prozessor: | Intel Core i7-3770K (Retail) | |
| Mainboard: | Gigabyte Z77MX-D3H | |
| Kühlung: | EKL-Stock Kühler | |
| SSD: | SanDisk Extreme Pro SSD - 480 GB | |
| RAM: | 4 x 4 GB Kingston HyperX (KHX1600C9D3/4G) @ 1600 MHz | |
| Netzteil: | beQuiet Pure Power L8-CM 430W | |
| Grafikkarte: | Intel HD Graphics 4000 (onboard) | |
| Betriebssystem: | Microsoft Windows 8.1 Pro x64 | |
Die AMD Radeon R7 wird wie gewohnt an den SATA3 Port mit entsprechendem SATA-Kabel an unser Mainboard angeschlossen, um die maximal mögliche Leistung abrufen zu können.
Benchmark: AS SSD
Kommen wir nun zu einem interessanten Test, der für die Durchführung zufällige Daten verwendet. Dadurch lässt sich die Leistung, die den Nutzer im Alltag erwartet, schon eher messen. Doch vorher ein kurzes Wort zum AS SSD Benchmark, der ausschließlich für die Bestimmung der Leistung von SSDs gedacht ist.
Neben der Messung von Lese- und Schreibgeschwindigkeit zufälliger Daten (nicht besonders gut komprimierbar) steht noch ein Kopier-Benchmark zur Verfügung, der drei Szenarien abbildet: ISO, Programm und Spiel. In jedem Fall werden die Dateien (ISO: 2 große Dateien; Programm: viele kleine und wenige große Dateien; Spiel: viele große und wenige kleine Dateien) gleichzeitig auf der SSD geschrieben und gelesen. Als letztes Werkzeug steht ein Kompressions-Benchmark zur Verfügung. Dieser verdeutlicht anschaulich wie hoch die Lese- und Schreibraten sind, wenn die Daten schlecht komprimierbar (X-Achse: 0%) bis sehr gut komprimierbar (X-Achse: 100%) sind. Weitere Infos zu diesem Benchmark kann man auf unserer Datenträger Testsystem Seite nachlesen.



Benchmark: Crystal Disk Mark
Ergänzend zum AS-SSD Benchmark setzen wir den Benchmark Crystal Disk Mark ein. Mit Crystal Disk Mark kann jede Art von Datenspeicher getestet werde. Nach Belieben kann man zwischen gut komprimierbaren Daten und zufälligen Daten wählen. Ein Unterschied zum AS-SSD Benchmark ist die wählbare Größe der Testdatei, wodurch man beispielsweise wunderbar unterschiedliche Größen bei USB Speicher Sticks bedienen kann. Weitere Infos zu diesem Benchmark kann man auf unserer Datenträger Testsystem Seite nachlesen.


Benchmark: PCMark 7 Advanced Edition
Wer kennt ihn nicht – den PCMark 7 von Futuremark. Mit ihm lassen sich praxisnahe Benchmarks durchführen und dessen Ergebnisse weltweit auf der Webseite von Futuremark mit anderen Systemen vergleichen. Für unsere Messungen verwenden wir nur einen Teil der zur Verfügung stehenden Optionen, und zwar den Bereich system storage suite. Weitere Infos zu diesem Benchmark kann man auf unserer Datenträger Testsystem Seite nachlesen.

Benchmark: IOmeter (12h)
In Anbetracht dessen, dass viele Ergebnisse in bisherigen Benchmarks nur noch geringe Unterschiede zwischen den Testkandidaten zeigen und eine Einschätzung der Qualitäten dadurch nicht immer so leicht fällt haben wir uns für die Aufnahme eines weiteren Benchmark entschieden, der über eine Dauer von 12 Stunden durchgeführt wird. Die größten Schwächen und Unterschiede zwischen den Laufwerken zeigen sich derzeit in der Schreibleistung, weshalb wir diese explizit in Augenschein nehmen werden.
Wir verwenden für diesen Test das Programm IOmeter, um die Abnahme der Anzahl von Schreiboperationen deutlich zu machen. Da Hersteller lediglich die maximalen IOPS ihrer Produkte angeben und nicht an der Darstellung der Operationen auf Dauer interessiert sind wollen wir diese für unsere Leser sichtbar machen. Es wird sich schnell zeigen, ob den Laufwerken frühzeitig die Puste ausgeht oder ob die Leistung über einen längeren Zeitraum gehalten werden kann.
Dabei sei erwähnt, dass diese Werte etwas theoretisch zu betrachten sind, da im Alltag derartig starke Belastung nach genau unserem Schema wahrscheinlich nicht anzutreffen sind. Der Test läuft so ab, dass für die Dauer von 12 Stunden in fünf Minuten Intervallen zufällige Daten mit der Größe von 4 KB geschrieben werden. Die Arbeitstiefe (QD) beträgt dabei 64, was die Anzahl gleichzeitiger Operationen bedeutet.

Benchmark: IOmeter mixed workload
Wir sind der Überzeugung, dass es zukünftig nur noch schwierig sein wird die Leistung von SSDs anhand einfacher Benchmarks wie AS SSD, ATTO oder Crystal Disk Mark ermitteln zu können. Viel zu komplex sind die Arbeitsweisen moderner Halbleiterlaufwerke geworden, sodass die Ergebnisse mit zuvor Genannten Benchmarks-Programmen zwar einen grundlegenden Vergleich verschiedener Modelle zulassen, jedoch wenig Aussagekraft bezüglich Langzeitnutzung und Arbeitsleistung im Alltag bieten.
In unseren Tests wollen wir jedoch genau diese Eigenschaften möglichst genau untersuchen, was uns zu einem weiteren Benchmark mittels Iometer auffordert. Dabei wollen wir den sogenannten „mixed workload“ betrachten. Darunter versteht man die erbrachte Leistung einer SSD bei der Belastung von unterschiedlichen Verhältnissen von Lese- und Schreibzugriffen im selben Moment.
Je nach Einsatz variiert das Verhältnis von Lese- und Schreiblast auf eine SSD, was hiermit nachgestellt wird. Ein normaler workload während des Surfens im Internet könnte bei 65%/35% (Lesen/Schreiben) liegen, wobei ein Action-Shooter eher in Richtung 95%/5% (Lesen/Schreiben) geht. Kopiert man eine Datei, wobei die Quelle und das Ziel auf demselben Laufwerk liegen, entspricht dies der 50%/50% Belastung, denn dieselbe Datenmenge, welche geschrieben werden muss, wird zuvor gelesen.
Die Messung wird in mehreren Schritten durchgeführt, wobei mit einer 100%igen Leseleistung ohne Schreibleistung begonnen wird. Die darauf folgenden Schritte stehen dann im Verhältnis von 95% zu 5%, 65% zu 35%, 50% zu 50%, 35% zu 65% und 5% zu 95%, bis der abschließende Schritt mit 0% Leseleistung zu 100% Schreibleistung erreicht wurde. In Iometer werden vier Worker angelegt, die gleichzeitig auf die SSD zugreifen. Die Summe der Leistung aller Worker ergibt das gezeigte Ergebnis in unserem Graphen.
Die Leistung einer SSD kann schlussendlich als gut bezeichnet werden, wenn das Verhältnis zwischen Lesen und Schreiben, das dem selbst definierten Einsatz entspricht, möglichst hoch ist. Dafür muss sich der Nutzer aber im Vorfeld im Klaren sein, wie dieser Einsatz aussieht. Die ideale SSD, die jedem Bedürfnis gerecht werden könnte, würde demnach von Anfang bis Ende eine gleichbleibende Gerade bilden, was aus technischer Sicht jedoch nicht vorkommen wird.


Fazit
Wenn man sich die reinen Testergebnisse der Benchmarks ansieht wird deutlich, dass die HyperX Fury dem Feld ziemlich hinterher hinkt. Beim zweiten Blick fällt aber auf, dass die SSD sich eng zusammen mit den anderen Modellen bzw. Datenträgern mit SandForce Controllern die Reihen teilt. Im Grunde genommen bedarf es keiner großen Erläuterung. Die Technik (Controller) und NAND haben ihren Zenit überschritten und werden wohl erst mit der Einführung des SF3700 Controller sowie 19nm NAND wieder den Anschluss an das Spitzenfeld finden.
Die SSD selbst hinterließ einen sehr wertigen Eindruck. Der (positiv) exorbitant hohe TWB-Wert von 641TB muss erst einmal im Laufe eines Lebens erzielt werden. Kein einziger Hersteller gibt solche Spezifikationen bei den Consumer-SSDs mit an! Etwas widersprüchlich sind dafür die 3 Jahre Garantie welche folgerichtig, gemessen am zuvor genannten Wert, mindestens doppelt so lang sein sollte. Die nervige Blister-Verpackung hat im Übrigen keinen guten Eindruck hinterlassen – bitte abschaffen!
Wer mit dem schmalen Talen sein System plant, der kann sich die Kingston HyperX Fury durchaus mal ansehen. Aktuell wechselt diese für circa 95 EUR die Ladentheke oder kann direkt bei Amazon gekauft werden.
Kingston HyperX Fury - 240GB | ||
| Datenträger Testberichte | Hersteller-Homepage | ABei Amazon kaufen |
| Pro | Contra | ![]() |
+ sehr gute & hochwertige Verarbeitung | - durchschnittliche Lese- & Schreibleistung | |
Weitere interessante Berichte:
Test: SanDisk Extreme Pro (480GB)
Test: Seagate Backup Plus Slim (2TB)
Test: Seagate Wireless Plus (2TB)




