World of Warcraft läuft seit 2004. Neben der aktuellen Version betreibt Blizzard seit einigen Jahren eigene Server, auf denen das Spiel in seinem ursprünglichen Zustand läuft und Schritt für Schritt durch die alten Erweiterungen geführt wird.
Aktuell befinden sich diese Anniversary-Realms in The Burning Crusade, der ersten Erweiterung von 2007. Wer damals dabei war, findet ein Spiel vor, das er kennt. Wer neu einsteigt, findet ein Spiel vor, das sich erkennbar von modernen Titeln unterscheidet.
Ein Klassiker, der auf fast jedem Rechner läuft
Technisch ist TBC Classic unauffällig, und das ist ein Teil seiner Anziehungskraft. Die Engine stammt aus einer Zeit, in der Grafikkarten mit wenigen hundert Megabyte Speicher üblich waren. Auf aktueller Hardware läuft das Spiel entsprechend problemlos, auch auf Notebooks ohne dedizierte Grafiklösung und auf älteren Systemen, die für moderne Titel längst nicht mehr reichen. Das erweitert den Kreis derer, die überhaupt mitspielen können, deutlich. Ein Wiedereinstieg scheitert hier nicht an der Ausstattung.

Der eigentliche Aufwand ist Zeit, nicht Technik
Was TBC von aktuellen Spielen unterscheidet, ist der Umgang mit der Zeit der Spielenden. Wege sind lang, Reisen dauern, Vorbereitungen sind aufwendig, und vieles lässt sich nicht abkürzen. Das war 2007 kein Problem, weil ein Großteil des Publikums Schüler oder Studierende waren. Zwei Jahrzehnte später ist dieselbe Zielgruppe berufstätig und hat Familie. Das Spiel hat sich nicht verändert, die Lebensumstände schon. Genau daraus entsteht der wirtschaftliche Kern des Spiels.

Bildquelle: PC Games
Gold ist in TBC kein Nebenprodukt
In modernen Ausgaben von WoW ist Spielwährung ein Randthema. In TBC ist sie eine zentrale Ressource, weil fast jeder Fortschritt Geld kostet. Das beginnt bei Reittieren, deren Flugvarianten ab Stufe 70 verfügbar werden und einen erheblichen Betrag verlangen. Es setzt sich fort bei Berufen, deren Ausbau ohne Materialkäufe kaum machbar ist. Und es betrifft Schlachtzüge, für die Verbrauchsgegenstände, Verzauberungen und Widerstandsausrüstung gebraucht werden, oft für jeden Abend neu.
Wer diese Beträge selbst erwirtschaften will, verbringt viele Stunden mit Sammeln und Wiederverkauf. Wer diese Stunden nicht hat, steht vor einem Engpass, den das Spiel nicht vorgesehen hat.
Wo Gold gehandelt wird
Innerhalb des Spiels läuft der Handel über das Auktionshaus, das sich wie ein kleiner Markt verhält: Preise schwanken nach Tageszeit und Serverbevölkerung, Angebote laufen ab, und wer den Markt beobachtet, verdient daran. Daneben existiert seit Jahren ein zweiter Markt außerhalb des Spiels. Anbieter verkaufen Spielwährung gegen echtes Geld, TBC Gold wird dort ähnlich gehandelt wie andere digitale Güter. Die Übergabe erfolgt anschließend im Spiel, per Ingame-Post oder direktem Handel.
Blizzard sieht diesen Handel nicht gern und sanktioniert ihn gelegentlich, unterbunden hat er sich in zwanzig Jahren nicht. Wirtschaftlich betrachtet ist das wenig überraschend: Die Nachfrage entsteht aus einer Lücke, die das Spieldesign selbst erzeugt.
Was Rückkehrer einplanen sollten
Drei Punkte machen den Unterschied zwischen einem entspannten und einem frustrierenden Wiedereinstieg.
- Server vor Charakter. Die Bevölkerung eines Realms entscheidet darüber, ob Gruppen zustande kommen und wie liquide das Auktionshaus ist. Ein gut besuchter Server ist mehr wert als ein optimierter Charakterplan.
- Berufe früh mitdenken. Wer erst auf Stufe 70 anfängt, Berufe zu leveln, zahlt für Materialien deutlich mehr, als wenn er sie unterwegs mitnimmt.
- Realistisch kalkulieren, was Stufe 70 kostet. Der Sprung vom Erreichen der Höchststufe zur tatsächlichen Spielfähigkeit im Endgame ist in TBC grösser als in modernen Ausgaben, und er wird überwiegend in Gold bezahlt.
- Wer das einrechnet, bekommt ein Spiel, das langsamer ist als aktuelle Titel und genau deshalb funktioniert. Wer es nicht einrechnet, steht auf Stufe 70 mit leerem Konto vor einer Wand.





